Burg Arnesvelde – viele Fragen offen

Am 29.04.2026 fand unter Leitung des Burg- und Mittelalterexperten Günther Bock der erste Teil unserer Veranstaltungsreihe zur Burg Arnesvelde, der theoretische Teil, statt. Der Saal im Tobias-Haus war mit knapp 60 Teilnehmern überaus gut gefüllt. Herr Bock führte gut gegliedert durch die Erkenntnisse, die zur Burg vorliegen. Schnell wurde allerdings klar, dass vieles unklar ist und bis heute mehr Rätsel als Antworten aufwirft.

Eins ist jedoch ersichtlich geworden: Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich bei der Burg Arnesvelde um eine gigantische Anlage. Wahrscheinlich war die Burg Arnesvelde sechsmal größer als das „weiße“ Ahrensburger Schloss und laut Günther Bock somit die größte Burg im mittelalterlichen Schleswig-Holstein. Umso erstaunlicher, dass keine weiteren offiziellen Nachforschungen stattfinden. Dies scheint an den mangelnden Geldern zu liegen, mit denen die Archäologie schon lange kämpft. Aber auch das Tunneltal spielt eine Rolle, denn das sensible Ökosystem mit Flora und Fauna wäre von Ausgrabungen massiv gestört.

Am 08.05.2026 fand dann die spannende Exkursion vor Ort statt. Der Wald zeigte sich zu diesem Termin mit Sonne und frischem Blattgrün von seiner besten Seite.

Man konnte es beim Vortrag schon kaum glauben, aber die Burg Arnesvelde war eine Wasserburg. Das Moor, so wie wir es heute kennen war bis ins 18. Jahrhundert ein riesiger See. Dieser war entstanden durch einen künstlich angelegten Damm, um das Wasser des Hopfenbaches aufzustauen. Heute stehen wir im Wald und stauen. Und nebenbei, diesen Wald gab es damals auch nicht, eher handelte es sich um Wiesen mit kleinen Buschgruppen.

Gute Kenntnisse scheint man darüber zu haben, wie die Burg einst befestigt war. Diese Überreste sieht man z.T. heute noch. Mit einem tiefen Graben und einer sehr hohen Aufschüttung, auf der wahrscheinlich Holzpalisaden installiert waren. Somit war die Burg zu allen Seiten gut gesichert durch den See und die Burgwände. Zu Landseite gab es aber offensichtlich noch mehrere Wälle und Gräben, um Angreifer fernzuhalten. Dies konnte anhand von topografischen Luftaufnahmen festgestellt werden.

Zu allen Erkenntnissen gibt es wenig schriftliche Belege, die meisten stammen aus der Zeit zwischen 1306 und 1326. Um 1954 gelang aus archäologischer Sicht ein Glücksfund. Im heutigen Moor wurden Holzreste einer Wassermühle gefunden. Diese wurden durch spezielle Untersuchungen auf das Jahr 1267 datiert. Nur nochmal zur Erinnerung: Wir leben in 2026 und somit 760 Jahre später!
1306 planten die Hansestädte Hamburg und Lübeck bereits den Abriss der Burg, um die Sicherung über die Handelswege zu erlangen. Aber 1327 besiegelte dann schließlich Graf Johann III. das Ende der Burg Arnesvelde, weil er auf die Burg Trittau umsiedelte.